Es war wohl ein Freitagnachmittag, als eine Nachricht auf Slack kam. Was drinstand, spielt keine Rolle – aber sie hat bei mir ein regelrechtes Gedankenkarussell in Gang gesetzt.

„Habe ich Mist gebaut?“

„Habe ich einen Haufen Probleme verursacht?“

„Habe ich eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen?“

„Habe ich am Montagmorgen überhaupt noch einen Job?“

In diesem Moment hätte ich alles getan, um die Sache aus der Welt zu schaffen und endlich Ruhe zu haben. Also habe ich geantwortet – aber keine Antwort bekommen.

Nicht nach einer Minute, nicht nach einer Stunde, nicht nach einem Tag.

Damit musste ich das ganze Wochenende leben. Nachhaken wollte ich auch nicht – ich wollte ja nicht nervig oder unvernünftig wirken.

Also verbrachte ich das Wochenende mit genau diesen Gedanken im Kopf …

Dieses Gedankenmuster hat mir schon so manches Wochenende verdorben – und sogar ganze Urlaube.

„Einfach an etwas anderes denken“ hat nicht funktioniert. Wenn ich Freunde getroffen habe oder etwas trinken war, konnte ich mich eine Weile ablenken. Aber meinen Gedanken bin ich nicht entkommen. Lange verstecken konnte ich mich vor ihnen nie.

Dazu kommt: Wer sich in seinen Gedanken verstrickt, wirft schnell seinen ganzen Plan über den Haufen. Und mit Plan meine ich das Leben. Wenn der Kopf das Steuer übernimmt, leiden auch Gewohnheiten, die sonst gut funktionieren – und plötzlich zeigt sich diese Version von dir, die ohne groß nachzudenken das Training ausfallen lässt.

Kenne ich nur zu gut.

Wo ich es zum ersten Mal gehört habe, weiß ich nicht mehr genau. Von einem Coach, aus einem Buch, bei einem Gespräch auf einer Wanderung. Aber irgendwann hat mir jemand eine Frage mitgegeben, die so einfach war, dass sie fast dumm wirkte:

„Stimmt das wirklich?“

Jedes Mal, wenn ich merkte, dass sich mein Kopf im Kreis dreht, habe ich innegehalten und mich gefragt, manchmal sogar laut: „STIMMT DAS WIRKLICH?“

Was bei mir den Knoten gelöst hat: Die Frage zwingt dein Gehirn, Belege zu sammeln, und bringt es so dazu, wieder rational zu handeln. Denn unser Gehirn erfindet liebend gern Geschichten – selbst dann, wenn die Fakten eindeutig dagegensprechen.

Es braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen und sich überhaupt dabei zu ertappen, wenn man gerade ins Grübeln gerät. Damit die Frage zur täglichen Übung gegen das Gedankenkreisen wird, habe ich mir einen Haftzettel unten an den Monitor geklebt. Darauf steht:

„Stimmt das wirklich?“

Vor Kurzem hat mir mein Chef morgens eine Nachricht geschickt. Das alte Muster ging sofort los, mein Kopf sprang direkt zum Worst Case. Aber heute habe ich eine Antwort darauf. Ich habe mich gefragt: Stimmt das wirklich? Und gemerkt: Nein. Ich habe auf die Nachricht geantwortet und meinen Tag ganz normal weitergemacht.

Dieses Werkzeug nutze ich selbst fast jeden Tag. Denn das Grübeln hört nicht einfach auf. Aber du lernst, es früh zu erkennen, und lässt nicht mehr zu, dass es dir den Tag und den Kopf zerreißt.


Kennst du diesen Strudel? Eine Nachricht, ein Blick, ein Schweigen – und plötzlich schreibt dein Kopf die komplette Katastrophengeschichte.

Mich würde interessieren, wie du damit umgehst. Schreibe mir einfach und erzähl es mir.

– Daniel